Kulturnetz Veranstaltungen im Dezember

Lesebühne „Wort&Klangbildstelle“
Di., 9.12., 20 Uhr (Einlass)
Das Bett
Klappergasse 16
www.bett-club.de

Kurz vor Weihnachten beehren uns nicht nur der Krimiautor Thorsten Blume sondern sogar der amtierende Weltmeister des Wortsportes, Poetry Slam Champion Danny Sherrard (Seattle, USA) und der Berliner Lesebühnenprofi Tilman Birr. Wie immer moderiert & garniert mit Beiträgen von Dirk Hülstrunk und dem B-Poeten

Poetry Slam Frankfurt 78
Fr., 12.12., 20:30 (Einlass)
Special Guest: Paul F. Cowlan (UK)

u.a. mit der Überraschungssiegerin des November Poetry Slams Michelle Richter, Melanie Irmey (U20 Champion Frankfurt), Tilman Döring, De Griech, Pablo, Nigges, Sandra Stelzenmüller, Egon Alter

Infos: www.slamffm.de, mehr: www.myspace.com/slamffm

Mit leichter Verspätung eine traurige Nachricht zum Schluss:

Plötzlich und unerwartet verstarb mit Renate Chotjewitz Häfner eine der engagiertesten Literaturaktivistinnen in Frankfurt. Hier der Nachruf von Brigitte Bee.

VS Hessen trauert um Renate Chotjewitz Häfner

Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Hessen trauert um seine stellvertretende Vorsitzende Renate Chotjewitz Häfner. Die Autorin, Übersetzerin und Publizistin ist am Montag, den 24.11.2008, im Alter von 71 Jahren in Frankfurt am Main verstorben.

Geboren 1937 in Halberstadt/Thüringen, absolvierte Renate Chotjewitz Häfner eine Glasmalerlehre in Ulm, studierte Malerei in Kassel und München sowie Kunstgeschichte, Theatergeschichte und Publizistik in Berlin. Sie lebte lange Zeit in Rom, bevor sie nach Haunetal (Osthessen) bzw. Frankfurt am Main übersiedelte. Aus der Ehe mit dem Schriftsteller und Juristen Peter O. Chotjewitz hatte sie zwei Söhne. Der jüngere der beiden, David Chotjewitz, arbeitet ebenfalls als Schriftsteller.
Ab Mitte der siebziger Jahre engagierte Renate Chotjewitz Häfner sich in der Frauenbewegung und in Kulturinitiativen, dann im Verband deutscher Schriftsteller. Sie arbeitete als Autorin, Herausgeberin und literarische Übersetzerin u.a. der Theaterstücke des Nobelpreisträgers Dario Fo und seiner Frau Franca Rame. Zu ihren Veröffentlichungen zählen außerdem Essays, Geschichten und Gedichte in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen, dazu Features für den Rundfunk. In ihren Studien beschäftigte sie sich mit dem Landjudentum in Hessen, mit Lokalgeschichte, der Frauenfrage und literarischen Spurensuchen. So gab sie 1999 den Stadtplan „Literarisches Frankfurt“ heraus, der Wohn- und Wirkungsstätten bedeutender Dichter, Philosophen und Verleger verzeichnet, und 2006 den Foto- und Textband „Hessische Literatur im Porträt“, der neben den Texten Hessischer Autorinnen und Autoren vor allem 52 künstlerische Porträts der Fotografin Ramune Pigagaite enthält.

Von 1990 bis 1993 war Renate Chotjewitz Häfner Vorsitzende des VS Hessen. Außerdem gehörte sie von 1984-1986 als Beisitzerin dem Bundesvorstand des VS an und führte den Verband als Mitglied des Kommissarischen Bundesvorstands 1988/1989 in einer äußerst schwierigen Phase, die von spektakulären Austritten namhafter Kollegen geprägt war, in die neu gegründete IG Medien, deren kulturpolitisches Gesicht sie entscheidend mitgeprägt hat. Sie war eine der HerausgeberInnen der Dokumentation des VS-Kongresses von 1984 in Saarbrücken unter dem Titel „Verfeindete Einzelgänger. Schriftsteller streiten über Politik und Moral“. Als Mitglied der 1991 eingesetzten VS-Geschichtskommission kümmerte sie sich um die Aufarbeitung der Geschichte der beiden deutschen Schriftstellerverbände VS und SV/DSV (DDR).

In Frankfurt war sie Mitbegründerin und Ideengeberin für etliche literarische Projekte. So gründete sie 1990 das Frankfurter Literaturtelefon und gehörte 1996 zu den Gründungsmitgliedern der Literaturgesellschaft Hessen e.V.. Brigitte Bee, die das Frankfurter Literaturtelefon heute betreut, nannte sie nicht zu Unrecht die „Jeanne d`Arc der Literaturfrauen“.

Seit 2007 war Renate Chotjewitz Häfner stellvertretende Vorsitzende des VS Hessen sowie Beisitzerin im Vorstand des Hessischen Literaturrates. Mit ihrem plötzlichen Tod verlieren der Verband deutscher Schriftsteller und die Frankfurter Literaturszenerie eine nicht zu ersetzende Gallionsfigur. Mit ihr arbeiten gedurft zu haben, ist ein Geschenk. Die Lücke, die sie hinterlässt, ist unermesslich.